Alkohol & Gewalt

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Allgemein / Feminismus / Psychoanalyse

Die Tage sind schreckliche Sachen passiert bzw. in den Medien behandelt worden, wie die Ausschreitungen in Marseille oder die Vergewaltigung einer Studentin an der Uni Stanford. Um den Überfall auf den Club Pulse in Orlando soll es hier nicht gehen, nicht weil er keine furchbare Sache ist, sondern weil es im Zusammenhang mit dieser Tat in der Debatte um die Gründe nicht um Alkohol geht. Im Gegensatz zu den beiden Beispielen oben.

Sowohl im Fall Brock Turner, der unter Alkoholeinfluss eine Studentin vergewaltigte (die, ebenfalls durch Alkoholkonsum, bewusstlos war) als auch im Fall der Krawalle zwischen englischen und russischen Hooligans weisen KommentatorInnen immer wieder darauf hin, dass man nicht alleine dem Alkohol die Schuld geben kann für die Handlungen der Täter. Dazu möchte ich die Meinung loswerden: Man kann sie dem Alkohol überhaupt nicht geben.

Wie meine ich das? Ich meine das in der Form, dass Alkohol Menschen keine Gefühle oder Ideen einpflanzt, sondern lediglich emotionssteigernd und enthemmend wirkt.Was ich sagen will ist: Leute die sich betrunken prügeln, haben mit ihren Drinks keine Wut oder Aggressionen zu sich genommen, sondern mit ihrem Konsum lediglich ihre Hemmschwelle gesenkt, negativen Gefühlen mit Gewalt Ausdruck zu verleihen. Überall ist zu lesen dass Alkohol aggressiv macht. Aber das ist eine verkürzte Aussage.

Genauso wie Leute nach ein paar Bier auch nicht anhänglich werden, weil Bier eine Kuschelsubstanz beinhaltet, oder sie Liebeserklärungen aussprechen, weil im Wodka ein Liebestrank drin war. Sie trauen sich schlicht mehr, Dinge zu sagen oder zu tun. Alkohol hat auch nicht die Idee, aufs Dach zu klettern. Alkohol kann auch euphorisierend wirken, oder betäubend. Aber, wie gesagt, Alkohol trifft auf Gefühle oder Gedanken, die da sind, ob vor oder nach dem Konsum, und wirkt auf den Menschen.

Ähnlich verhält es sich mit Regenwetter und Kälte, die nicht machen, dass auf einmal Viren in einer Person entstehen  („Ich hatte nasse Füße und jetzt bin ich krank“). Kälte sorgt ja bekanntlich für schlechte Durchblutung, und die wiederum schwächt die Abwehr oder die Bekämpfung von Viren oder Bakterien. Sie ist also ein Faktor, der, wenn Viren oder Bakterien auf den Organismus treffen, also da sind, Krankwerden begünstigt.  Es geht mir bei diesem Vergleich nicht darum ein Bild von „Gewalt als Virus“ zu bringen, oder von gewaltvollem Verhalten als Krankheit. Der Vergleich bezieht sich auf die Unterscheidung „Sache“ und „Faktor, der eine Sache begünstigt“.

Deswegen schlussfolgere ich: Alkohol ist nicht nur keine Entschuldigung, sondern auch keine Erklärung für die Ursache von Handlungen. Menschen tun anderen Menschen Gewalt nicht deswegen an, weil sie Alkohol trinken, sondern weil sie Arschlöcher, mindestens aber Menschen mit Problemen sind, die Alkohol trinken.

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