Grün stört mich nicht

Hinterlasse einen Kommentar
Art
"AH-AH", ein wunderbares Bild von Thomas Huber aus der Sammlung des MARTa. Bildquelle: MARTa Herford/ Cordia Schlegelmilch, © VG Bild Kunst Bonn 2015
„AH-AH“, ein sehr schönes Bild von Thomas Huber aus der Sammlung des MARTa. Bildquelle: MARTa Herford/ Cordia Schlegelmilch, © VG Bild Kunst Bonn 2015

 

Kürzlich war ich im MARTa Herford und habe mir die Ausstellung „Grün stört“ angesehen (22. Mai – 14. August 2016).  Und habe die Relevanz ihres Thema nicht begriffen.

Mein Eindruck war, dass um ein einziges Zitat herum eine Aussstellung konstruiert wurde. Baselitz sagte offenbar. „Malt keine grünen Bilder! Grün geht nicht in der Kunst!“ Das ist natürlich eine Ansage. Aber stimmt das denn? Es gibt ja grüne Bilder. Bzw. Bilder oder Kunstwerke, bei denen die Farbe Grün auftaucht. Zum Beispiel in dieser Ausstellung.

Es gibt noch ein paar weitere Zitate an den Wänden zu lesen. Aber außer dem von Baselitz überzeugt einzig ein anderes, dass Grün echt ein Ding ist: „Grün malen ist eine Herausforderung.“ (Thomas Huber) Auf beide Zitate wird dann aber auch nicht weiter eingegangen. Das, was man als Besucher*in an die Hand bekommt ist bis auf die genannten Zitate folgender Text (vor Ort zu lesen und auf der Website zu finden):

„Grün steht als Symbolfarbe für Hoffnung, Heilung und Nachhaltigkeit – aber auch für Neid, Dekadenz und Gift. Was passiert, wenn wir grün sehen – und nicht etwa rot? In dieser ersten Ausstellung zu einer „störenden“ Farbe stehen ihre Aktualität, ihre zeitgenössischen Funktionen und Bedeutungen im Mittelpunkt einer höchst anregenden Präsentation. Unterschiedliche Aspekte und Zusammenhänge in Malerei, Installationen und Video werden vorgestellt und es entsteht ein lebendiges Panorama der gegenwärtigen Relevanz einer ebenso alltäglichen wie irritierenden Farbe.“

Stimmt, Grün steht für sowohl Positives als auch Negatives. Das tut Rot aber auch. Da hilft es auch nicht, das Wort „Symbolfarbe“ zu verwenden. Es ist ja wohl jeder Farbe ein symbolischer Charakter zuzuschreiben. Und die „zeitgenössischen Funktionen und Bedeutungen“ von Grün? Welche sind das? Und was soll das überhaupt sein? Ich habe nach Besuch der Ausstellung nicht mehr Ahnung als davor. Natürlich hätte ich auch eine Führung machen können, aber ich denke, auch ohne sollte ich jetzt eine Idee davon haben, was „die gegenwärtige Relevanz“ von Grün ist.

Ich habe also nicht verstanden, wie die Werke zusammenhängen, warum diese dort zusammen mit anderen ausgestellt sind und andere nicht. Konstruieren Ausstellungen nicht immer irgendeinen Zusammenhang? Ich würde sagen, nein. Eine gute Ausstellung deckt entweder einen auf oder stellt einen her. Wobei ich gerade zu dem Schluss komme, dass das das gleiche ist. Einen Zusammengang herzustellen ist gar nicht möglich. Ich würde sagen, wenn gesagt wird, „da wird ein Zusammenhang hergestellt“, ist gemeint, „da wird einer aufgedeckt“. Oder sollte es besser so gesagt werden. Denn Zusammenhang existiert oder nicht. Jetzt könnte jemand sagen, „Ja, da kann ich ja auch eine Zitrone nehmen und einen Stuhl, und sagen, der Zusammenhang ist, dass beides in der Küche steht.“

Ja, genau, oder ich könnte auch sagen, dass der Zusammengang ist, dass beides existiert. Darin sähe ich aber kein Gegenargument, denn hier wird ja kein Zusammenhang konstruiert, sondern er besteht ja wirklich. Die Frage ist doch nur: Wie relevant ist dieser Zusammenhang? Auf den ganz unteren Ebenen hängt fast alles zusammen. Aber, und ich denke darauf kann man sich einigen, um die Welt zu verstehen, sind wir aufgefordert subtilere Zusammenhänge zu sehen, als dass alle Dinge z.B. von Schwerkraft beeinflusst sind.

Und genau das machen Ausstellungen, oder eben nicht. Die Aufgabe von Kurator*innen ist bekanntlicherweise unter anderem, fern von Retrospektiven, Gruppen- oder Sammlungsausstellungen, Zusammenhänge zwischen Kunstwerken für andere nachzuzeichen.

Man könnte letztlich auch sagen, hey, die Ausstellung ist eine These, darum geht es doch. Es wird die These aufgestellt dass Grün stört. Du teilst sie eben nicht. Ich habe aber nicht das Gefühl, die Gründe für die These zu kennen. Und sie deswegen auch nicht begründet teilen oder ablehnen zu können.

Hinterlasse einen Kommentar